Viele Gießereien verkaufen noch nach Kilopreis. Das ist eine bequeme Referenz – aber eine riskante: Zwei gleich schwere Gussteile können sehr unterschiedlich kosten. Dieser Ratgeber zeigt eine Methode, die tatsächlichen Kosten eines Gussteils Schritt für Schritt zu ermitteln.
1. Vom Gießgewicht ausgehen, nicht vom Stückgewicht
Maßgeblich ist nicht das Gewicht des fertigen Gussteils, sondern das Gießgewicht: Gussteil plus Anschnittsystem, Speiser und Bearbeitungszugaben. Das Verhältnis von Stückgewicht zu Gießgewicht ist die Ausbringung:
Ausbringung = Stückgewicht ÷ Gießgewicht
Bei 60 % Ausbringung werden für ein 60-kg-Gussteil 100 kg Metall vergossen. Die Metallkosten werden daher auf das Gießgewicht berechnet – abzüglich des Werts des Kreislaufmaterials (Eingüsse und Speiser) und zuzüglich der Schmelzverluste.
2. Kerne
Kernkosten schwanken stark: Anzahl, Gewicht, Sand und Binder, Kernmacherzeit, Schlichte. Ein Gussteil mit vielen komplexen Kernen kann teurer sein als ein schwereres, einfaches Teil. Deshalb sollten Kerne je Artikel bewertet werden – ausgehend von der Kernliste im technischen Datenblatt.
3. Formerei und Schmelzbetrieb
Die Formkosten hängen vom Verfahren (automatische Formanlage, Handformerei, Kokillenguss, Druckguss), von der Anzahl der Nester je Form oder Modellplatte und von der Taktzeit ab. Der Schmelzbetrieb umfasst Energie, Feuerfestmaterial, Ferrolegierungen, Schmelzebehandlung und Personal.
4. Putzerei, Wärmebehandlung und Fremdbearbeitung
Putzen, Strahlen, Schleifen, Fertigungsschweißen, Wärmebehandlung und mechanische Bearbeitung können einen großen Kostenanteil ausmachen – besonders bei komplexen Teilen und Stahlguss. Jeder Schritt wird mit eigenen Zeiten und Stundensätzen oder dem Preis des Lohnbearbeiters bewertet.
5. Der Einfluss des Ausschusses
Ausschuss wird am häufigsten unterschätzt. Werden 5 % der Gussteile verworfen, müssen die Gutteile auch die Kosten der verlorenen tragen. Eine einfache Näherung:
Kosten Gutteil ≈ Herstellkosten ÷ (1 − Ausschussquote)
Ausschuss sollte je Arbeitsschritt betrachtet werden: Ein bei der Endprüfung verworfenes Teil hat bereits alle vorherigen Arbeitsgänge verbraucht.
6. Vom Stückpreis zum Kilopreis
Erst nach Addition aller Komponenten ist es sinnvoll, durch das Stückgewicht zu teilen und die Kosten pro kg zu erhalten. Der Vergleich mit dem Verkaufspreis pro kg zeigt sofort, welche Artikel Marge bringen und welche sie aufzehren.
7. Vor- und Nachkalkulation
Die Vorkalkulation basiert auf Standardwerten: erwartete Gewichte, Ausbringung, Zeiten und Ausschuss. Echte Kontrolle liefert die Nachkalkulation auf Basis realer Produktionsdaten. Der Vergleich je Artikel und Auftrag hilft, falsche Angebote zu korrigieren und Prozessprobleme aufzudecken.
Wie ein Gießerei-ERP hilft
All das ist in Excel möglich, aber schwer aktuell zu halten. Ein Branchen-ERP wie Fond/Wise geht vom technischen Datenblatt aus (Gewichte, Ausbringung, Kerne, Arbeitspläne), erfasst Ist-Daten der Produktion und den von der Qualitätssicherung gebuchten Ausschuss und berechnet automatisch Stückkosten, Kilokosten und Deckungsbeitrag je Artikel und Kunde.